Interreligiöse Feier zum Dank-, Buss- und Bettag unter dem Dach vom Interreligiösen Arbeitskreis im Kanthon Thurgau über das Thema "Innehalten". Unser Imam Rehan Neziri hat den Vers 9-10 des Kapitels 62 (Al-Dschumu'ah) gesungen und danach die Übersetzung auf Deutsch vorgetragen.

Dann las er ein Text zu diesem Thema von Aiman Mazyak vor. Unter sein Text:

«O die ihr glaubt, wenn zum Gebet gerufen wird am Freitag, dann eilt zu Allahs Gedenken und lasst das Kaufgeschäft. Das ist besser für euch, wenn ihr wisst. Wenn das Gebet beendet ist, dann breitet euch im Land aus und trachtet nach etwas von Allahs Huld. Und gedenkt Allahs viel, auf dass es euch wohl ergehen möge!» (Koran 62:9-10)

Das Gebet als Zwiesprache mit Gott und Entschleunigung

«Der Islam durchdringt den Alltag des Muslims. Das Gebet ist daher für das Muslim-Sein von essenzieller Bedeutung, es ist in seiner Vielfalt der Dreh- und Angelpunkt für den Muslim, um seine Beziehung und Nähe zu seinem Schöpfer zu stärken… Das fünfmalige tägliche Gebet zum Beispiel strukturiert bzw. teilt den Tag in einer besonderen Weise auf… So steht ein Muslim fünfmal am Tag in Gedanken vor seinem Schöpfer, und mit jedem Gebet entschleunigt er den bisweilen hektischen und von Terminen bestimmten Tagesablauf, der dem modernen Menschen nur selten Raum für Spiritualität und Besinnung lässt. In Anlehnung an eine bekannte Werbung für einen Schokoriegel könnte man sagen, dass der Islam dem Menschen Folgendes empfiehlt: Have a break, perform a prayer!

Für mich ist das fünfmalige tägliche Gebet eine Möglichkeit, mit Gott Zwiesprache zu halten, eine Möglichkeit, direkt nicht nur das Gespräch zu suchen, sondern auch meine Beziehung zum Leben, zum Hiersein zu festigen. Wie vielleicht ein anderer mit autogenem Training eine kurze Pause einlegt, innehält in der Hektik des Alltags.

Der Schöpfer empfiehlt dem Menschen mittels des Gebetes sich eine Auszeit für die notwendige Entschleunigung zu nehmen. Dies ist in einer materialistischen Welt, in der das Motto «Zeit ist Geld» vorherrscht, umso bedeutsamer.

Für mich persönlich ist sowohl das Gebet als auch der Ramadan eine wunderbare Möglichkeit, innezuhalten, den Alltag nicht zu vergessen, aber ihn zumindest ein Stück weit wegzurücken und mich nur auf das Seelisch-Spirituelle zu konzentrieren, daraus Kraft zu schöpfen, um danach wieder meinen Verpflichtungen nachzugehen.» (Aiman Mazyek, Was machen Muslime an Weihnachten?)

 

Fotos: Xhevat Fetai